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(Kommune, Österreich, Steiermark, Bezirk Weiz, Gleisdorf)

• Portrait: Christoph Stark / Bürgermeister
Von Martin Krusche

Der Wecker läutet meist kurz nach sechs Uhr. Früher folgte für den Ex-Raucher Stark nach dem ersten Kaffee die erste Zigarette. Er sagt: „Ich bin kein Morgenmensch.“ Morgensport? Eher nicht. Obwohl ihm Lebensgefährtin Ulli Stibor das schon etwas schmackhafter gemacht hat.

Für gelegentlich eine kleine abendliche Laufrunde, auf der sich dann, wie zu erfahren ist, sein Körper „mit einigen Fragezeichen“ meldet: „Hey, was soll das, ist das dein Ernst? Sport? Nach so vielen Jahren? Uff!“

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Stark zum neuen Haus: „Das ist so ein Lebenstraum.“ Er sagt lächelnd: „Hörst du die Ruhe?“

Beide sind beruflich stark gefordert. Er nicht nur im Rathaus, sie im eigenen Betrieb. Da hat die Morgenstunde große Bedeutung bezüglich der Qualität des jeweils kommenden Tages. Für Christoph Stark und Ulli Stibor ist das gemeinsame Frühstück wie ein Portal zwischen Privatleben und Dasein als öffentliche Personen. Entsprechend sind es nicht so sehr die Inhalte des Kühlschranks, sondern ihre persönliche Befindlichkeit, von denen ihre Frühstückssituation geprägt wird.

Die beiden bewohnen seit kurzem das Haus ihrer Träume. Es scheint um den einladenden Tisch herum gebaut zu sein und öffnet sich durch eine Glasfront zum Garten hin. Stark: „Das ist total schön, wenn der der Tisch voll ist.“ Hier werden also an besonderen Tagen Gäste bewirtet. Links davon gibt es noch einen besonders geschützten Winkel mit Aussicht auf den Garten. Da ließen sie sich während des Hausbaues nachträglich ein passendes Fenster in die Wand schneiden.

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Die gemeinsame Stunde beim Frühstück am Morgen bedeutet für Stibor: „Sich mit beiden Beinen für den Tag auf den Boden stellen und gut gelaunt aus dem Haus gehen.“ Dem gegenüber ist für sie das Essen auf dem Frühstückstisch eher nachrangig. Stark kommt sowieso auch vom üppigsten Buffet nur mit Semmeln, Butter und Marmelade zurück. So hält er aus zuhause.

Der Bürgermeister sinniert über Perspektiven: Es solle möglich sein, Semmerln wie die Zeitung zu abonnieren. Manchmal ergibt sich das, wenn sein Vater schon früh unterwegs ist und der näheren Verwandtschaft frisches Gebäck an die Türen hängt.

Neben einer Schale mit Kirschen steht selbstgemachte Marmelade auf dem Tisch. Daran arbeiten sie manchmal gemeinsam, beschenken auch andere Menschen damit. So haben sie es bei ihren Müttern gesehen, das „Einkochen“ von Marmelade. Stibor: „Das haben wir als Kinder mit der Oma gemacht.“ Stark: „Das war der Klassiker.“

Haustiere? Gerade mal eine Feldmaus auf Besuch. Die Vielbeschäftigten sind sich einig: „Eben weil Ulli Tiere gerne hat, haben wir keines.“

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Ein Zufall: Der Weizer Amtskollege Helmut Kienreich ruft an.
"Alle Anrufe vor acht Uhr morgens haben meistens Notfall-Charakter."

Stark schätzt das vorzügliche Gebäck, das man in Gleisdorf findet. „Ich hab hier meine Wurzeln und möchte hier alt werden.“ sagt er beim Griff ins gut gefüllte Körberl. Die zwei Sorten Marmelade sind, wie erwähnt, nicht aus dem Supermarkt. Aber der Hauptakzent liegt hier, neben dem kräftigen Kaffee, auf dem Zustand der Geborgenheit des Paares.

Es standen gelegentlich schon wildfremde Menschen im Garten des Bürgermeisters, um sich ein wenig umzuschauen. Verläßt er sein Haus, wird er für die Menschen greifbar. Das erwartet man auch von ihm. „Man lernt, damit umzugehen“, sagt die Frau an seiner Seite.

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