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(Verkehr, Automobil, Winter)

• Reportage: Autos fit für den Winter
Von Martin Krusche

Waren Sie schon einmal versucht, Ihr Auto nach der ersten sehr kalten Nacht auf einer steil abfallenden Straße zun parken, damit Sie es am nächsten Morgen verläßlich wieder in Gang bringen? Ich schon.

Am drittenTag kam ein Anruf der Polizei mit der Frage, ob es bei meinem Auto ein Problem gäbe. Ein Satz neuer Zündkerzen und ich konnte wieder in der Ebene parken, ohne Anrainer einer anderen Gasse in’s Grübeln zu bringen. Sie werden überrascht sein, wir bekommen auch heuer wieder Winter. Aber Scherz beiseite …

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Netter Versuch. Aber im Winter braucht es etwas mehr,
um sich zu wappnen: Batterien brechen zusammen,
das Kühlsystem muckt, Scheibenwaschanlagen frieren ein,
Türen lassen sich nicht öffnen.

Die Profis wissen, Jahr für Jahr stecken viele Menschen in Schwierigkeiten, weil sie vom ersten massiven Kälteeinbruch überrascht wurden. Es geht bei den Kraftfahrzeugen hauptsächlich um Strom, Flüssigkeiten und Reifen. Wir leben zum Glück in keiner Gegend, wo LKW-Fahrer im Winter kleine Feuerchen unter ihren Fahrzeugen entfachen, um die Froststarre zu mildern. Aber in den 1950ern soll ja noch mancher eine Petroleumampe in dem Motorraum seines Autos gehängt haben, um die Kälte etwas abzuhalten. (Versuchen Sie das bloß nicht! Unsere Feuerwehr hat auch so genug zu tun.)

Manfred Harb vom gleichnamigen Autohaus in Weiz hat seine Kundschaft schon zum Wintercheck eingeladen. „Wenigfahrer sind manchmal erstaunt, daß sie neue Reifen bräuchten, obwohl die Lamellen noch gut sind.“ Profil hin oder her, nach zehn Jahren taugt eine Gummimischung nichts mehr. Die meisten Cabrios werden jetzt sowieso eingewintert. Obwohl die neuen Versionen mit versenkbarem Stahldach als voll wintertauglich gelten.

Peter Grobbauer von der Firma Forstinger sagt: „Eine gute Batterie kann ein halbes Jahr stehen, ohne das was passiert, wenn kein Strom verbraucht wird.“ Aber viele neue Fahrzeuge haben eine Bordelektronik, die unter Strom stehen muß. Geht der Saft aus, kommt man ohne den Fachmann mit seinem Laptop nicht mehr vom Fleck. Da empfiehl sich bei längeren Stehzeiten ein sogenanntes „Erhaltungsladegerät“. Vor allem moderne Alumotoren haben, so Grobbauer, seit etwa 1997 eine „Sommer-Winter-Flüssigkeit“, die im Sommer besser kühlt und im Winter nicht einfriert.

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Straßenaufsichtsorgan Anita Schloffer staunt:
Dieser Mann ist nicht bloß winterfit,
sondern ein gut gerüsteter Winter-Athlet.

ÖAMTC-Pannenfahrer Peter Pammer lächelt milde. Jahr für Jahr erlebt er die gleiche Krise derer, die vielleicht dachten, der Winter würde einmal ausfallen. Statt dessen fallen die Fahrzeuge aus. „Die erste Kälte, wenn es minus fünf Grad hat, trifft halt viele Leute unerwartet.“ Dann hat Pammer ab 6:30 Uhr morgens Hochbetrieb. Batterien brechen zusammen, das Kühlsystem muckt, Scheibenwaschanlagen frieren ein, Türen lassen sich nicht öffnen. Zu ihm sind die Menschen erfahrungsgemäß freundlich. Aber seine Kollegin in der Zentrale erlebt beim Koordinieren der Einsätze schon das eine oder andere blaue Wunder an menschlicher Reizbarkeit.

Kurzstreckenfahrer sollten beachten, daß auch eine starke Batterie kollabieren kann, wenn sie nie richtig aufgeladen wird. Mit einfachen Ladegeräten kann man das lösen. Oder man besucht den Fachbetrieb. Eine Batterie lebt länger, wenn sie gepflegt wird, das spart Kosten und Kummer. Grobbauer erinnert, daß der Wirkungsgrad eines Frostschutzmittels gemessen, also überprüft werden kann. Kommt der Dreck, erhöhen schlechte Wischerblätter das Unfallrisiko, weil die Sichtverhältnisse leiden. Die intakte Lichtanlage kann lebenserhaltend sein.

Abschließend noch ein kleiner Hinweis. Sollte ihr Nachbar Motorradfahrer sein oder ein Wohnmobil besitzen, können sie da sicher einige nützliche Tips bekommen. Weil unter diesen Leuten Sicherheit und Langlebigkeit meist eine etwas erhöhten Stellenwert haben. / Seite [zwei]

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